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Kontakt : Dr. Petrus Herberstein
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opera piccola

                        und ein Interview mit einem Verrückten

 
 

   Dr. Petrus v. Herberstein

Die opera piccola  wurde zunächst 1987 in Bremen von Dr. Petrus Herberstein gegründet.

Auf Grund des großen Erfolges wurde die Tätigkeit auf Österreich ausgeweitet und 2004 in Wien die erste Produktion vorgestellt.

"Aus Wien stammend, absolvierte ich zunächst an der Universität Wien das Medizinstudium, bevor ich an der Wiener Musikhochschule bei Prof. Swarowsky und in Rom bei Franco Ferrara Dirigieren studierte.

Nach dem Debüt mit dem Wiener Kammerorchester 1976, (szenische Aufführung von I. Strawinskys Geschichte vom Soldaten) gründete ich das Wiener Symphonische Kammerensemble, mit dem ich Konzerte in Wien, Italien und Frankreich (u.a. Festival Toulon) gab.  Verschiedene Gastdirigate führten u.a. zu Zusammenarbeiten mit dem Mozarteum Orchester Salzburg.

1983 kam es zur Verpflichtung an die Staatliche Oper Ankara, wo ich als Studienleiter tätig war.

1984 ging ich an die Städtischen Bühnen Münster und wechselte schließlich nach Bremen zum Theater am Goetheplatz.

Nach drei Jahren gründete ich im Bestreben um künstlerische Eigenverantwortung die opera piccola. Hier habe ich nicht nur die künstlerische Leitung als Dirigent, sondern führe auch Regie. Mein Bestreben ist es vor allem, Musiktheater unterhaltend und intelligent zu präsentieren, und darüber hinaus, dem Publikum ein neues und unbekannteres Repertoire anzubieten."Unterschrift Herbestein


 

 

Interview

mit einem

VERRÜCKTEN

 

"Ich steige auf die Barrikaden für ein Gleichgewicht zwischen Musik und Text"

Musiktheater und die Entsprechung in unserer Zeit

Sänger und Sängerinnen

"Wie macht man ein kleines Vermögen ?“

Werdegang

 

 

Was kann die Oper heute einem Menschen sagen, der mit dem Knopf im Ohr lebt, durch den er sich ständig in irgendwelche Rhythmen einlullt, mit dem Handy und via Radio, Fernsehen und Internet mit einer solchen Fülle von Informationen wie nie zuvor...?

 

In einer Zeit des Schreis, des Grellen, des Lauten, der gesellschaftlichen Instabilität und Unsicherheit auf allen Gebieten ist die gute alte Oper tatsächlich total unzeitgemäß.  Und mit „lauten“, skandalträchtigen Inszenierungen begeht sie so etwas wie Selbstmord.  Sie bedient nicht das, wofür sie eigentlich da sein sollte : das emotionelle Erleben.

 

Was kann man dagegen tun? Was tust Du dagegen?

 

Ich möchte ganz einfach auf den Begriff des Musiktheaters zurückgehen – im Gegensatz zum Begriff der Oper, der etwas Opulentes, Luxuriöses vermittelt.  Ich möchte in dieser Zeit der Reizüberflutung für heutiges Publikum Aussagekräftiges und Unterhaltendes bieten.  Indem ich den Text auf Zeitgemässes hin untersuche.  Es gibt gegen alle konträren Meinungen genügend Werke, auch alte, mit literarisch interessanten Texten.

Und durch die Darstellung kann man das befürchtete Alte zeitgemäß machen. Dazu muss man nicht alles zerstören und drauf scheißen. Man muss nur um Verständlichkeit ringen.

 

Wie machst Du das?

 

Indem ich auf die Barrikaden steige für ein Gleichgewicht zwischen Musik und Text. Musiktheater besteht nun einmal aus Text und Musik.  Normalerweise wird der Komponist bei der Komposition vom Text inspiriert, der Text ist die Basis.  Doch wenn wir ehrlich sind : wann verstehen wir von den Sängern, was sie singen?

Ich meine, wir möchten doch wissen, was der Sänger oben auf der Bühne mit seinem Text mitteilen will.  Es ist doch schwer, schon im täglichen Leben einen Gesprächspartner zu verstehen, wenn gleichzeitig andere Geräusche zu hören sind. Um wie viel schwieriger, wenn da ein Orchester von 80 Musikern „Lärm“ macht.  Es erfordert viel Konzentration.  Also gebe ich bald auf, wenn der Text nicht bei mir ankommt, lehne mich in meinem gepolsterten Stuhl zurück und bin vom großartigen Gesang beeindruckt, manchmal auch vom großartigen Bühnenbild, von der großartigen Geselligkeit in der Pause und dem Privatleben der ruhmreichen Sänger, worüber wir in der Klatschpresse lesen – wenn es gut geht, vom großartigen Klang des Orchesters und der imposanten Fuchtelei des Star-Dirigenten. Voilà, da ist das Luxuriöse. –

Was könnte uns das Musiktheater geben, wenn man das Werk textlich versteht ?

Dazu Folgendes : Eine erzählte Geschichte wird durch die Musik überhöht, die Musik dringt in unsere Gefühlswelt ein wie keine andere Kunst – aber diese wundersame Möglichkeit wird nicht genützt, wenn das, was wir da alles erfahren könnten, einfach unverständlich bleibt. Denn der Text ist die Basis für die Komposition, und ohne Text bleibt die dazugehörige Musik in der Luft hängen. Wundervoll schön, aber sinnlos - hier sehe ich die Problematik des Ästhetischen.  Ich glaube, die Oper könnte die Menschen wirklich erreichen und bereichern, wenn man verstehen könnte, was gesungen wird.

 

Die Projektion der Obertitel hilft nichts?

 

Hilft. Ist aber eigentlich ein Armutszeugnis.  Wer will denn seine Augen immer hin und herschweifen lassen zwischen den Obertiteln und dem, was sich auf der Bühne tut.  Ein Sänger sollte imstande sein, verständlich zu singen.  Ich arbeite daran was ich nur kann. Da muss zunächst einmal das Orchester gezügelt werden, damit der Sänger gegen diese Übermacht durchkommen kann. Ein berühmter Dirigent ließ eine Tafel über der Türe des Orchesteraufenthaltsraumes anbringen : „Pianissimo-Spiel ist für Euch das Schwierigste“.

 

                                Ich weiß wie schwer es ein Sänger hat

 

Die opera piccola ist ein Unternehmen abseits vom etablierten Kulturbetrieb. Wie arbeitest du, um das, was du am Opernbetrieb kritisierst, nicht selbst zu verbrechen?

 

Dieser Kunstbetrieb ist nicht Verursacher eines Mißstandes, wie ich ihn sehe, er scheint aber blind in seinen Gewohnheiten und seiner Tradition, es geht hier um die Sänger : Ich weiß, wie schwer es ein Sänger hat.  Er hat im Moment des Singens sehr viel mehr Aufgaben zu bewältigen als ein Schauspieler :  Hat er doch an die technisch korrekte Klangerzeugung seiner Stimme, an die Melodie, den Rhythmus zu denken, in die s, Orchesterbegleitung hineinzuhören, dem Dirigenten zu folgen, den Anweisungen des Regisseurs zu entsprechen, bei aller Auftrittsangst das Pipi zurück zu halten… Und, - so meine Erfahrungen : - zu aller letzt kommt der Text.  Leider. Unbegreiflich.  Natürlich, oft muss er/sie in einer Fremdsprache singen, die er/sie nicht beherrscht, aber auch wenn er/sie in der Muttersprache singt,  und da er/sie so viel zu tun hat, bleibt die Verständlichkeit und der Ausdruck auf der Strecke.

Und getoppt wird all das mit dem gar nicht so seltenen Fall in dieser feinen“ Oper : Die Sänger/Innen studieren ein Werk rein phonetisch ein, weil sie keine Ahnung von der Sprache haben, in der sie singen, sei es Russisch, Tschechisch, Japanisch usw..!!! ---Warum, frage ich mich, erspart man sich nicht dies mühevolle Erlernen des Textes und singt einfach auf den jeweils besten Vokalen…

Wie gehst Du vor ?

Also wie arbeite ich. Ich mache den Sänger/Innen all diese Punkte zunächst mal bewusst. Lasse den Text so rezitieren, wie es ein Schauspieler tut.  Arbeite mit Körperausdruck, sodass das, was gesungen wird, auch mit dem Körper dargestellt wird.  

Weiters: Um die ganze Konzentration auf die Geschichte und das Spiel zu lenken, reduziere ich das Bühnenbild und die Kostüme, den ganzen üblichen Pomp – so dass sich der Sänger entfalten muss, weil es nur ihn auf der Bühne gibt.  

Ich verstehe nicht ganz, warum die Musikhochschulen nicht mehr Gewicht auf das Darstellerische legen. Es kann doch nicht sein, dass sich das gestische Repertoire darauf beschränkt, dass die Tenöre ihre Arme ausstrecken mit Handflächen nach oben, die Baritone mit Handflächen nach unten. Schaue doch man einmal darauf, und man wird  sehen, dass die Körperhaltung nichts mit dem Text zu tun hat, der gesungen wird. Bei dem Ganzen hat man den Eindruck, die Sänger wollen dem Publikum etwas erklären!

Es kommt mir vor wie in der Medizin, die jungen Menschen werden zu Ärzten ausgebildet, die operieren können und Medikamente verschreiben und keinen Sinn dafür entwickeln, wie es dem Patienten wirklich geht, als ganzem Menschen, wie er seine Krankheit verstehen soll, was er daraus gewinnen könnte.  

Inzwischen gibt es die Ganzheitsmedizin, die sich mehr um den ganzen Menschen kümmert. Ich bin sozusagen ein Ganzheitsmusiker.  Ästhetizismus ist mir verdächtig, schöner Gesang allein zu wenig. Ich möchte den ganzen Menschen in seiner Rolle erkennen, so dass man aus dieser Rolle etwas vom Leben verstehen kann. Und bevor ein Sänger das nicht bringt, geb’ ich keine Ruhe.

Eigentlich sollte eine Oper so inszeniert und gespielt und gesungen werden, dass auch ein Tauber oder ein Blinder den Inhalt versteht.

 

Verstehen die Sänger immer, was du meinst und worum es dir geht?

 

Ich hoffe. Sänger haben a priori meine große Sympathie, weil sie etwas erlernen wollen, was eigentlich verrückt ist, womit ihnen eine unsichere Existenz beschert ist.  Vielleicht sollten sie also lieber Rock singen. - Es sind also Menschen, die einen Sinn für das Unbedingte haben, und so etwas gefällt mir.  Die Sänger spüren, wie sehr ich ihren Lebensentschluss schätze, und darum arbeiten sie mit mir.  

Oper ist das Konzentrat einer schwierigen Kommunikation, und gleichzeitig das Konzentrat der vollständigsten  Kommunikation, weil sie so viele Komponenten – Text, Musik, Spiel, die alle eine wichtige Aussage, des Bewußten und Unbewußten tätigen, - vereint.

 

Entsprechung unserer Zeit

 

Könnte das Musical nicht eher eine Entsprechung unserer Zeit auf der Bühne sein ?

 

Durchaus.  Da wird mit viel Technik gearbeitet, mit Farben, Ton-Verstärkung, Tanz ist dabei, eine Menge Effekte, alles in allem wirklich lebhafter.  Und wahrscheinlich die Ausdrucksform unserer Zeit. Doch ob es heutig oder gestrig oder uralt ist, kümmert mich nicht. Mir geht es um die Qualität und die Tiefe eines Werkes. Mag sein. Meinem Gemüt entspricht die Oper einfach mehr.  Und da ich autonom bin, ein Einzelgänger auf der ganzen Linie, mach ich das, was ich will und kann.  Und es ist mir egal, ob das klassische Musiktheater passé ist oder nicht. Ich bin überzeugt, wenn es mich begeistert, kann ich diese Begeisterung auf die Sänger, das Orchester und letztlich auf das Publikum übertragen.

 

Manche Regisseure zeigen alte Opern  in zeitgenössischem Outfit, wie es ja auch am Theater sehr üblich ist…

 

Ja ja, vielleicht ist das eine Anspielung auf das moderne Regietheater. Der Begriff ist reichlichst schwammig, muß oft büßen für alles, was modernes Outfit hat. Das geht mir zu weit. Das Stück muß heute genau so wie seinerzeit an die Haut gehen. Also :   Ich mache mir das Kernproblem der Geschichte, die die Oper erzählt, klar, und suche dafür entsprechende Bilder aus der heutigen Zeit. Allerdings muss man  sehr aufpassen, dass das nicht zum Selbstzweck wird. Die Geschichte, die auf der Bühne gezeigt wird, darf durch so eine Aktualisierung nicht beeinträchtigt oder gar unverständlich werden.  Im Gegenteil, so ein Kunstgriff muss die Verständlichkeit fördern, im Sinne von : was gibt mir dieses Werk heute an Aktualität.

 

Die Bühne ist ja nicht der einzige Ort, wo die Darsteller nicht immer wissen, was sie eigentlich tun.

 

Genau. Es ist ein allgemeines Übel.  Wenn ich mir die Politiker anschaue und sie bei ihren Reden beobachte, beschleicht mich sehr oft genau dasselbe Gefühl, und eingedenk dessen, dass solche Menschen die Geschicke eines Landes lenken, wird’s einem dann schon manchmal ein wenig mulmig.  

Oder wenn ich die Menschen beobachte, wie sie überall mit ihren Handys telefonieren, manchmal hab ich den Eindruck, da ist gar niemand, der das Gerede empfängt, das ist nur so hingesagt, ohne Achtsamkeit dafür, was man da eigentlich redet.  Wie das auf den anderen wirkt.  Es mag geradezu dümmlich idealistisch klingen wenn ich mir wünsche, mit meiner kleinen Oper und meinen kleinen Produktionen gegen diese Oberflächlichkeit anzukämpfen.  Oberflächlichkeit empfinde ich immer als unwürdig, weil wir Menschen doch zu mehr fähig sind, außerdem ist sie gefährlich, macht uns manipulierbar – und es stört mich überhaupt nicht, wenn man über mich den Kopf schüttelt und mich für einen Narren hält, weil ich den Kampf dagegen nicht aufgebe.

 

Du machst alte Opern und neue Opern – nach welchen Kriterien suchst du die Werke aus?

 

In erster Linie danach, was mir ein Stück sagt. Und natürlich auch danach, ob die Realisierung mit meinen Mitteln möglich ist.  Da ich der alleinige Leiter meines Unternehmens bin, kann ich allein bestimmen, was ich aufführen will, und da ich kein Talent zum Opportunismus habe, wähle ich aus, was mir gefällt, darauf vertrauend, dass meine Begeisterung überspringt.  Und ich muss sagen, sie springt.   Mein Publikum hat’s gerne, auch wenn ich ein zeitgenössisches Werk herausbringe, eben auch weil es nicht so ist wie in den großen etablierten Häusern.  Sowie man in eine Institution eingebunden ist, muss man ja machen, was dort beschlossen wird, man beginnt also zu funktionieren, und das ist schon etwas anderes als diese heilige Sturheit, mit der ich meinen freien Willen lebe.

 

Wie macht man ein kleines Vermögen

 

Woher kommen deine Mittel?

 

Ich bin die beste Antwort auf die Frage, wie man ein kleines Vermögen macht.  Nun: man hat ein großes Vermögen, produziert Opern und im Nu hat man ein kleines Vermögen. – Leider habe ich kein so großes Vermögen, so dass mich natürlich immer wieder die Sorge quält, wie es weitergehen soll.

 

Also kein großes Geschäft –

 

Ich bitte dich.  Jeder weiß, dass auch die größten Opernhäuser, selbst wenn sie immer ausverkauft wären, nur einen kleinen Bruchteil von dem einspielen, was das Ganze kostet.  Sie werden hoch subventioniert.  Auch meine Produktionen sind hoch subventioniert, aber wie gesagt, leider nur von mir.  Dafür kann ich mir die Freiheit bewahren und die Wahrhaftigkeit, und insofern mache ich doch ein kleines Vermögen.  Oder ist sich treu bleiben kein Vermögen?

 

Erzähle ein bisschen über die opera piccola.

 

Ich habe sie 1987 ins Leben gerufen, und es ist mir gelungen, dass sie piccola blieb und keine eine opera grande wurde.  Das heißt, wir sind nach wie vor eine freie Gruppe, die Sänger bekommen keine Dienstverträge, sondern Werkverträge für die jeweilige Produktion, ich miete für die Aufführungen ein entsprechendes Theater, hoffe vergeblich auf Sponsoren und Helfer, freue mich über jeden, der sich kreativ einbringt, ärgere mich über alle Ignoranten, lasse mich aber nicht abbringen von meinem Ziel und ich muss sagen, es lohnt sich.

 

Würdest du dich als stur, stark oder verrückt bezeichnen?

 

Alles zusammen.  Doch ohne Menschen mit diesen Eigenschaften würde sich in der Kunst nichts bewegen und alles, auch das, was als Kunst geplant war, im Kommerz versinken.

 

Werdegang

 

Wie ist dein Werdegang?

 

Anders als viele Musiker komme ich nicht aus einer Musikerfamilie.  Ich war ein eher verschlafenes Kerlchen, erinnere mich aber, als ich einmal, ich war ungefähr zwölf, im roten Sportauto meines Onkels mitfuhr und eine Übertragung eines Konzertes hörte.   Davon war ich dermaßen beeindruckt, dass ich sagen würde, das war wohl die Zündung.  Seit diesem Konzert im Sportauto hab ich wann immer es möglich war Musik gehört und dabei für meine Emotionen eine Art inneres Exil gefunden, das später eben meine Heimat wurde. Eine Heimat, in der ich keine Grenzen fühle.

 

Darum vielleicht auch deine Kompromisslosigkeit und der Wunsch, diese Liebe weiter zu geben?

 

Mein Lehrer Swarowsky hat mich bestärkt darin, dass das, was ich glaube und fühle, eine Richtigkeit hat und mein musikalisches Erkennen auf keinen Irrwegen herumschleicht.

 

Quält dich nie die Frage nach dem Sinn deiner Tätigkeit ?

 

Eigentlich nicht.  Wobei ich zugebe, wenn ich eine große Inszenierung sehe, eine Aufführung, die mich total begeistert, dann fühle ich eine gewisse Machtlosigkeit für meine Person, auch Zweifel. Insofern bin ich auch noch immer der Suchende, der ich von jung auf war.  Zwar fehlt mir der Dialog, den andere, die in einen Opernbetrieb eingebunden sind, täglich haben, andererseits gehen mir auch keine Energien durch fruchtlose Diskussionen verloren. Und so einsam wie man sich unter Kollegen mitunter fühlen kann, besonders im Bühnenbetrieb, weil man im Kollektiv seine eigene Meinung , Interpretation zurückstellen muß, bin ich nie.  Eben weil ich allein bin, hab ich gelernt, meine Dialoge mit den Schöpfern der Werke, die mich interessieren, zu führen, seien es Komponisten, Autoren, Wissenschaftler…

Nachdenken über den Sinn ist ein Luxus, aber : Ohne nachdenken gewinnt man keine Distanz, weder zu sich selbst noch zu dem, was man tut und was die Welt mit einem tut.  Die Oper ist, zumindest für mich, eine ideale Basis für diese Lebensphilosophie.  Weil sie einerseits riesige Emotionen auslöst und gleichzeitig so artifiziell ist, dass man schon ein Ochse sein müsste, um nicht zu hinterfragen, was hier geschieht.  

Diese Frage, was geschieht hier, was geschieht mit mir, was geschieht mit den anderen rund um mich, was geschieht in unserer Welt und mit unserer Welt – auf diese Frage gibt es keine erschöpfende Antwort, aber sie nicht zu stellen wäre der Absturz in die Sinnlosigkeit.  So weit darf es mit uns Menschen nicht kommen, und darum plädiere ich für jede Kunst, die diese Frage zuspitzt.  Ein Plädoyer für die Oper, ein Plädoyer für das Musiktheater !

 

 

Das Gespräch führte Dr. Asil Nohsik

       

 

 

 

 

 

 
   
               
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