| |
|
Kritiken
W.A. Mozart - La
finta semplice
http://www.drehpunktkultur.at
3. September 2008
WIEN / LA FINTA SEMPLICE
Mozartkugeln, um besser durchzuhalten
Mozarts Jugendoper "La finta semplice", aufgeführt von
der "opera piccola" im Wiener Theater in der Walfischgasse.
- Wunderwerk eines Zwölfjährigen.
Von Werner Thuswaldner
03/09/08
Das ist ein ganz Österreich einmalig: Ein Opernunternehmen
ohne öffentliche Subventionen und ohne Sponsoren. Die Kunst
steht im Mittelpunkt, nicht wie anderswo die
Selbstdarstellung mächtiger Konzerne, die ihre Gönnerschaft
bekunden. Die "opera piccola" ist eine private Initiative
von Petrus Herberstein, der einmal jährlich im Stadttheater
in der Walfischgasse als Dirigent und Regisseur in einer
Person eine Produktion herausbringt. Er stellt das Orchester
zusammen, lässt vorsingen und sucht so die Sängerinnen und
Sänger aus, die meist vom Konservatorium kommen und erste
Praxiserfahrungen sammeln wollen.
Meist fällt die Auswahl auf das Werk eines Zeitgenossen.
Diesmal aber steht die Opera buffa "La finta semplice" von
dem zwölfjährigen Mozart auf dem Programm. Am Montag (1.9.)
war Premiere. Petrus Herberstein gibt als Grund für die Wahl
seine rückhaltlose Bewunderung für das Werk an. Er möchte
sein eigenes Staunen darüber, was da ein Zwölfjähriger an
musiktheatralischer Substanz, Qualität und mit einem Atem,
der für mehr als drei Stunden Aufführungsdauer reicht,
geschaffen hat, einem größeren Publikum vermitteln.
Für die Darstellung auf der Bühne heißt es, mit einem
Stoff zurechtzukommen, der zeigt, wie das Leben zweier
Brüder und deren Schwester aus seiner Beschaulichkeit
herausgerissen wird. Ein Fremder quartiert sich mit seinem
Diener ein, und sofort entwickeln sich verwirrende
Liebesgeschichten, die, vor allem, weil der eine der beiden
Brüder ein erklärter Weiberfeind ist, nicht gleich zu einem
guten Ende kommen. Die Paare finden sich zuletzt - auch auf
der Ebene der Dienerschaft natürlich. Weil es sich
zahlenmäßig nicht ausgeht, bleibt einer übrig. Aber es
könnte sein, dass der, weil er ungeschoren bleibt, am besten
wegkommt.
Die Tatsache, dass die Ausführenden mehr oder weniger
direkt vom Konservatorium kommen, bedeutet keineswegs, dass
wir es mit einer Schüleraufführung zu tun haben.
Professionalität ist in Bezug auf die Sängerinnen und Sänger
ebenso gegeben wie in Bezug auf die Musiker.
Der komödiantische Tonfall, den die Musik vorgibt, wird
auf der Bühne mit außerordentlich viel Spielwitz umgesetzt.
Das Regiekonzept lässt sich von der Commedia dell’ arte
inspirieren. Die durchwegs weiß gekleideten Figuren vor
schwarzem Hintergrund sind von heute, aber ihr Ausdruck und
ihre Bewegungen sind stilisiert. Es sind immer wieder
gelungene Tableaus zu sehen, und in der Art wie virtuos
diverse, oft komische Requisiten gehandhabt werden, fühlt
man sich an Inszenierungen von Karl-Ernst Herrmann erinnert.
Es kommt vor, dass die Figuren aus ihren Rollen ausbrechen,
die Bühne verlassen, den Dirigenten in Bedrängnis bringen
oder dass der Tenor, weil seine Arie überhaupt kein Ende
mehr zu nehmen scheint, noch während er singt, mit einem
Pakettransporter hinaus gerollt wird. Diese teils kräftigen
Akzente der Ironisierung tun der Inszenierung gut und
helfen, dass der Eindruck der Langatmigkeit erst gar nicht
aufkommt. Damit das Publikum leichter durch hält, werden vom
Ensemble zwischendurch Mozartkugeln in die Menge geworfen.
Petrus Herberstein, der als Dirigent nicht nur die Komik
dominieren lässt, sondern auch eine Tiefendimension
anspricht, verlangt den Sängerinnen und Sängern einiges ab.
Sie müssen sich auch als Schauspielerinnen und Schauspieler
bewähren. Und das erfüllen sie in vielen turbulenten Szenen
auch fast durchwegs. Einige von ihnen werden, vorausgesetzt,
dass es auf der Welt einigermaßen gerecht zugeht, ihren Weg
machen. Dazu sollten die beiden adeligen Damen gehören, Eva
Kupfermüller als sympathische Intrigantin und Nicole Malbec
als umworbene Liebhaberin, Rita Nikodim als quirlige
Dienerin, die gut als Despina vorstellbar ist, und ihr
stimmkräftiger Partner Ivo Michl. Einen ansprechenden
Bariton lässt auch Sebastian Fuchsberger als schmachtender
Freier hören. Martin Felber als sein Bruder ist ein
Polterer, und die Tenorpartie ist mit dem sich kapriziös
gebenden, verhalten intonierenden Hans-Jörg Gaugelhofer
ausgefallen besetzt. - Wegen der jungen Darsteller sollten
sich auch Intendanten dafür interessieren.
Weitere Aufführungen: 3., 5., 6., 8., 9. und 11.
September. - Informationen und Karten: Stadttheater
Walfischgasse
www.stadttheater.org
|
|
W.A. Mozart: La finta semplice
Der Standard, Wien, 3 September
2008
J. Haydn: Armida
Haydns Oper im modernen Gewand ("Armida"
)
Wunderbar blühte im Zentrum des Geschehens der Sopran der Armida
von Katherine Nash, lyrisch erfüllt und auch im Zorn noch großartig
in der psychologischen Ausdeutung einer Liebenden...
...erotische Klangbeschwörung von traumhafter Ästhetik
gelang den beiden Protagonisten
Petrus´v. Herberstein ...inspirierte sein Orchester zu raffinierten
und farbenreichen Interpretationen und stützte die Bühnenschicksale
durch subtil ausgehorchte Klanggestaltung. (Die Norddeutsche, Ulf,
Fiedler, 14.07.1996)
 |
 |
Aussteiger wird zum Opernhelden
.... Haydn-Oper... so konsequent und plausibel in
die Gegenwart verlegt ...mit so wenig Mitteln, dafür gewaltigem
Idealismus und ernstzunehmender Professionalität,
eine so bannende und interessante Dreistunden-Aufführung
... Dramatische Dialog-Rezitative, v.a. aber die großen affektgeladenen
Arien, die von Konflikten und Seelendramatik erzählen, bestimmen
das musikalische Bild dieser Oper....
...höchst eindrucksvolle, solistische Leistungen -
stimmlich wie darstellerisch.
Das Orchester spielte unter Herbersteins Leitung spürbar
engagiert, zuverlässig und mit lebendiger Stilsicherheit.
(Nordwest-Zeitung, Werner Matthes, 06.07.1996)
Kreuzritter agieren mit Aktköfferchen
Herberstein gelingt es immer wieder, begabte, aber noch weitgehend unbekannte
Sänger der jüngeren Generation aufzutun: Das von P. v. Herberstein
geleitete Orchester war mit Spielfreude und Engagement bei der Sache.
(Weser-Kurier, Gerhart Asche, 06.07.1996)
Michael Nyman: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut
verwechselte. 2001
Summend den Alltag meistern
Aufführung... hätte mehr Publikumsinteresse verdient als bei
der anderthalbstündigen Premiere. (Karl Robert Brachtel, Münchner
Merkur, 26.04.2001)
Klein noch nicht fein
Der Raum wird geschickt genutzt, ein paar Requisiten-Zitate reichen als
Ausstattung. (Egbert Tholl, Süddeutsche Zeitung, 26.04.2001)
Motorisch gedeutete Psychose
Herberstein hatte das Stück zurückgenommen inszeniert: das Notwendigste
auf Holzpodesten, das Komische der Situation und ihres Helden nicht verschweigend.
Viel Beifall, für einen Anfang, bei dem es nicht bleiben sollte.
(Wolfgang Johannes Müller, Bayernkurier, 10.05.2001)
B. Britten: The turn of the screw
Bravorufe für begeisternde Aufführung
Auffällig ist, daß auf aufwendige Requisiten quasi verzichtet
wird, die Bühne erscheint fast spartanisch. das stört keineswegs,
lenkt vielmehr die Blicke auf die Sänger und Sängerinnen sowie
deren schauspielerisches Vermögen, durch das die für Opern typische
schwierige Textverständlichkeit ausgeglichen wird. (Achimer Kreisblatt,
maf, 8.10.1993)
Strawinsky: Die Geschichte vom Soldaten
Zirkus und Musiktheater
P. v. Herberstein näherte sich dem Stück sowohl von
der Regie als auch von der musikalischen Interpretation her mit aller
Hochachtung, ... (Weser Kurier, Ute
Schalz-Laurenze, 07.05.1988)
..und der Soldat
Streicher, Bläser und Schlagzeuger wurden von Herberstein zu einer
impulsiven Darstellung getrieben, die den Reiz von Strawinskis beginnender
neoklassizistischer Phase zweifellos einfing. (Die Presse –
Wien, Walter Dobner, 12.11.1976)
G. Rossini: La scala di seta
Gelungene Geburtstagsfeier mit einer Rarität:
(10 jähriges Bestehen der opera piccola)
...ist die opera piccola ein bereichender Kulturfaktor. (Weser-Kurier,
Gerhart Asche, 20.09.1997)
Hohes Maß an Professionalität:
Das junge Orchester, kaum dem Studentenalter entwachsen, musizierte kultiviert
und inspiriert bis in die Pizzikati und Violinsoli hinein. Gleiches gilt
für das jugendliche, hochkarätige Sängerensemble, das vor
Spiellaune zunehmend sprühte... (Foyer, Sigrid Schuer, Januar
1998)
J. Haydn: La vera costanza (List und Liebe), 1989
Mit Eifer und Einsatzbereitschaft
Die Gruppe füllt zweifellos eine Lücke im Bremer Musikleben.
Insgesamt eine Aufführung, ... die durch spürbaren Einsatz für
sich einnahm. (Weser-Kurier, Gerhard Asche, 20.05.1989)
J. Haydn: L'Infedeltà delusa (Untreue lohnt nicht),
1990
Frauenlist besiegt den Willen des Vaters
...bietet die opera piccola eine ganze Reihe von Momenten fesselnden Musiktheaters,
weil Sänger gewonnen werden konnten, die sich als fähig erwiesen,
Haydns Musik in ihrer emotionalen Kraft auszustellen. (Weser-Kurier,
Gerhart Asche, 14.12.1990)
Joh. und Josef Strauß:
Musik und Anekdoten: 1992
Beliebte Wiener Melodien begeisterten alle
Wie im Prater sollten sich die Zuhörer fühlen: Walzer und Polka,
ein Wiener, der über die Strauß-Familie plaudert, und das alles
unter freiem Himmel im Grünen. (Wümme-Zeitung, Karina Skwirblies,
17.08.1992)
A. Wladigerov: Die Bremer Stadtmusikanten, ein Musical.
Vier Ossis besetzen das Parlament
..und was die Musik angeht, gelang opera piccola Initiator P. v. Herberstein
mit diesem Stück eine Traumrolle. Mal forsch und
aggressiv drängend, mal melancholisch und gefühlsbetont, kommt
sie daher die Komposition, eingängig in der unkomplizierten Melodik,
pfiffig und vital in der oft vertrackten Rhythmik, ... (Weser-Kurier,
Gerhart Asche, 09.05.1990)
|
|
|